„Wir sollten sie uns als Vorbilder nehmen“

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Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen kämpft für ein gesellschaftliches Umdenken

„Vor 100 Jahren haben uns Frauen bewiesen, was erreicht werden kann, wenn kämpferisch und mit Mut für ein Grundrecht gestritten wird“, so die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen in Mainz, Gabriele Schneidewind. Endlich wurde im November 1918, nach jahrelangen Kämpfen, das Wahlrecht den Frauen zuerkannt.

Seit hundert Jahren dürfen Frauen also wählen und damit ihre Bedürfnisse zum politischen Ausdruck bringen. Doch wie sieht es mit der politischen Mitarbeit aus? Im aktuellen Bundestag ist nicht einmal ein Drittel der Abgeordnetenstühle durch Frauen besetzt. Von allen Parteimitgliedern sind nur 26 Prozent weiblich. Dies muss sich ändern, davon ist Gabriele Schneidewind überzeugt. „Die Chancengleichheit von Mann und Frau wird langfristig nur gelingen, wenn Frauen in allen Gremien auch in gleicher Zahl vertreten sind. Erst dann verändert sich auch die Gesellschaft.“

„Sicherlich hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten viel geändert, aber immer noch leben wir in einer Gesellschaft, die Frauen diskriminiert, Belästigungen aussetzt und benachteiligt“, weiß die Asf-Vorsitzende. In Deutschland leben rund 41 Millionen Frauen. Jede vierte wird Opfer von Gewalt und jede zweite hat bereits Erfahrung mit Belästigung am Arbeitsplatz direkt oder indirekt. Frauen verdienen im Schnitt 21 Prozent weniger Lohn und haben im Alter 600 Euro weniger. Diese Zahlen sind bekannt. Schlimm genug, dass sie heute niemanden mehr verwundern oder gar kämpferisch stimmen.

Aber neben diesen offensichtlichen, weil mit Zahlen messbaren, Ungleichheiten, erleben viele Frauen jeden Tag die Ungleichheit von Mann und Frau am eigenen Leib. Die #metoo-Bewegung gibt den Opfern des strukturellen Sexismus ein Gesicht. Frauen, die sich heute unter dem Hashtag „metoo“ als Opfer der Belästigung oder Schlimmerem outen, haben oft jahrelang geschwiegen. Sie haben geschwiegen, weil Sie in einer Gesellschaft leben, in der Frauen gelernt haben, unzüchtige Witze zu überhören und aufdringliche Gesten zu übersehen.

Das Problem mit gesellschaftlichen Strukturen ist, dass man sie oft unbewusst hinnimmt. Das dürfen wir nicht. Wir dürfen weder schlüpfrige Witze noch anzügliche Kommentare hinnehmen.

Deswegen ist es nach wie vor notwendig, dass auf der ganzen Welt Frauen auf die Straße gehen, um für die Gleichberechtigung von Frauen zu kämpfen! Deswegen ist es nach wie vor notwendig, dass es einen Weltfrauentag im Kalender gibt! Deswegen ist es notwendig, dass es Frauenbeauftragte, Frauenhilfsorganisationen, Frauenpolitik und Frauenquoten gibt!

Deswegen müssen wir weiter streiten, diskutieren und uns kämpferisch – wie unsere Vorbilder – zeigen, um auf nach wie vor bestehende Ungerechtigkeiten hinzuweisen und auf deren Abschaffung hinzuarbeiten.