Feminsmus in Kultur und Unterhaltung

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Anfang des Jahres wurde auf den Golden Globes gegen althergebrachte Machtstrukturen und sexuellen Missbrauch aufbegehrt. Der Moderator, die Gäste, Nominierende und PreisempfängerInnen – aus allen Reihen kamen Zeichen und Worte zum notwendigen Umdenken in dieser Branche. Und als in einer Kategorie (mal wieder) nur Männer nominiert waren, wurde auch das (wunderbar trocken, von Natalie Portman) angekreidet.
Dass mehrere mächtige Hollywood-Größen des sexuellen Missbrauchs angeklagt worden sind (von Frauen UND von Männern) wurde selbstverständlich ebenfalls erwähnt, größtenteils vom Moderator, gleich in der Eröffnungsrede.

– Beim Deutschen Fernsehpreis vor ein paar Tegen eröffneten derweil halbnackte Frauen die Veranstaltung. Sie trugen Quasten (tassles) an den Brustwarzen, die sie im Kreis schwenkten. Jippppi.
Natürlich sind danach die meisten Preise wieder an Männer gegangen… kommentarlos.
Und Dieter Wedel wurde nicht erwähnt.
Auch sonst scheint in der deutschen Unterhaltungsindustrie keiner zu finden, es müsse sich etwas ändern.
ZAPP-Redakteurin Anja Reschke hat sich darüber zurecht echauffiert: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/Reschke-Seien-Sie-froh-dass-der-Fernsehpreis-nicht-uebertragen-wurde,zapp11118.html
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Sobald Frauen und Männer sich über solche Dinge aufregen und sich im Namen des Feminsmus für eine positive Veränderung einsetzen, löst das direkt die Gegenbewegung aus.
Eine entsprechende Aktion in der Manchester Art Gallery etwa ist auf großes Unverständnis gestoßen: Dort ist das Gemälde „Hylas and the Nymphs“ (1896) von dem englischen Maler John William Waterhouse abgehängt worden. Die Kuratorin Clare Gannaway will nicht zensieren (was ihr nun vorgeworfen wird), sondern diskutieren: „Dieses Museum präsentiert den weiblichen Körper als entweder ‚passiv-dekorativ‘ oder ‚femme fatale‘. Lasst uns diese viktorianische Fantasie herausfordern!“, sagte sie laut SPIEGEL (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/john-william-waterhouse-hylas-und-die-nymphen-in-manchester-abgehaengt-a-1190996.html).
Klingt doch gut.
Aber im Netz wird nun nur gegiftet und gehatet: Das sei nun das Ausmaß des Feminismus! Man könne ja gleich alle Männer kastrieren! (Was das eine mit dem anderen zu tun hat – da sind wir überfragt – dieser Blödsinn zeigt eigentlich nur, wie wenig fundiert die Diskussion mal wieder abläuft.

Wichtig ist trotzdem, denken wir, darüber nachzudenken, wie man Menschen vermitteln kann, worum es bei Aktionen, Diskussionen und „Rants“ (wie von Reschke) geht – und worum nicht.
Niemand soll kastriert werden.
Und es geht auch nicht um Zensur.

Es geht darum, schlimme Missverhältnisse aufzudecken. Menschen freier aufwachsen und leben zu lassen. Nachzudenken und zu reflektieren.
Wir sind uns sicher, Clare Gannaway wird das Gemälde wieder aufhängen. Sie will es nicht verbrennen (was auch im Netz gleich unterstellt wurde). Sie will zum Nachdenken anregen.

Wenn man sich den Deutschen-Fersehpreis-Abend ansieht, ist das auch bitter nötig.